2014 – Vergangenes und Aktuelles

Das Jahr 2014 hat gezeigt, dass unsere Arbeit zur Unterstützung von Asylsuchenden Landkreis Saalfeld-Rudolstadt weiterhin von dringender Notwendigkeit ist. Durch die globalen Bürgerkriege und Konfliktsituationen allein in Syrien, im Irak und in Eritrea bedürfen mehr Menschen als in den vergangenen Jahren unserer Hilfe. Aufgeklärte Gesellschaften wie die unsere stehen dabei gegenüber diesen flüchtenden Menschen in einer besonderen Verantwortung. Menschlichkeit ist das oberste Gebot unseres Handelns. Daraus leitet sich zugleich das aktive Wirken gegen Unmenschlichkeit ab, die sich leider in der gegenwärtigen Situation im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt wie auch in ganz Deutschland an vielen Orten gesellschaftlichen Lebens zeigt.

Zu unseren Tätigkeiten:
Wie auch in den vergangenen Jahren haben wir jeden Monat die Lernförderung und Hausaufgabenunterstützung für junge Flüchtlinge in Beulwitz finanziert, die wöchentlich vor Ort von einer kompetenten und von uns hoch geschätzten Lehrerin durchgeführt wurde.
Bei mehreren öffentlichen Veranstaltungen waren wir das gesamte Jahr über mit Informationsständen vertreten.
Im Januar und Februar haben wir Asylsuchende in Beulwitz bei der Forderung nach der Möglichkeit eines Internetzugangs in der dortigen Gemeinschaftsunterkunft unterstützt.
Ein angehender Kunsttherapeut aus unserem Verein und zwei Praktikantinnen haben im März und April in der Gemeinschaftsunterkunft in Beulwitz ein erfolgreiches Kunstprojekt für Kinder und Jugendliche durchgeführt.
Im Rahmen unseres regelmäßigen Wirkens über den Landkreis hinaus haben wir im Sommer 400 Euro an ein Wohnheim für Menschen mit körperlichen und seelischen Behinderungen in Georgien gespendet, in dem ein Vereinsmitglied in dieser Zeit ehrenamtlich arbeitete.
Im August 2014 haben wir gemeinsam mit dem Lokalen Aktionsplan Saalfeld (LAP) und VertreterInnen der Jugendarbeit, kirchlicher Träger und demokratischer Parteien einen Aufruf an alle Menschen im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt erarbeitet und veröffentlicht. Dieser Aufruf soll künftig Zivilcourage befördern und Fremdenfeindlichkeit vorbeugen.
Bei mehreren Veranstaltungen gegen Fremdenfeindlichkeit im Mai und September haben wir uns an der Organisation und Durchführung von Aufklärungsveranstaltungen beteiligt und dabei Redebeiträge zur Lebenssituation von Asylsuchenden im Landkreis sowie darüber hinaus gehalten.
Das letzte Quartal des Jahres war von der dringend notwendigen Aufklärungsarbeit gegenüber vorurteilsbelasteten Bürgerinnen und Bürgern des Landkreises geprägt. Bei einer BürgerInnenversammlung in Unterwellenborn klärten wir über Fluchtursachen auf, da dort gegenüber einer kurzfristig vom Landkreis eingerichteten Hilfeeinrichtung für Geflüchtete Ängste bei vielen EinwohnerInnen herrschten.
Um Fremdenfeindlichkeit, Vorurteilen und rechtem Populismus keinen Raum zu lassen, haben wir daraufhin drei Willkommensfeste am 24.9. in Rudolstadt und am 8. (die OTZ berichtete) und 15. November in Unterwellenborn für neu im Landkreis angekommene Asylsuchende organisiert und gemeinsam mit ihnen gefeiert.
Im Dezember haben wir schließlich auf ein seit Beginn dieses Monats laufendes Bürgerbegehren in Rudolstadt reagiert, das mithilfe der formaljuristischen Forderung nach einem ‚Bebauungsplan‘ offensichtlich die Errichtung einer Hilfeeinrichtung für Asylsuchende im alten Rudolstädter Krankenhaus verhindern will (das MDR Thüringen Journal vom 16.11.2014 berichtete). In einen offenen Brief haben wir Argumente veröffentlicht, die darauf hinweisen, dass in dem Bürgerbegehren ein solcher ‚Bebauungsplan‘ lediglich genutzt wird, um fremdenfeindliche Motive zu verdecken und auf eine scheinbar ‚demokratische‘ und ‚mitbestimmende‘ Weise eine Hilfeeinrichtung für Asylsuchende zu verhindern. Wir fürchten, dass bei der gegenwärtigen unaufgeklärten, fremdenfeindlichen Stimmung auch ein demokratischer Bürgerentscheid gegen die Nachnutzung als Flüchtlingsunterkunft ausfallen könnte. Projekte wie dieses Bürgerbegehren sind gegenwärtig eine vielfach in Deutschland zu beobachtende Reaktion ‚besorgter BürgerInnen‘ auf die neu ankommenden Asylsuchenden. Es wird alles Mögliche versucht, um Flüchtlinge fern zu halten. Die Projekte bieten dabei vielfach Plattformen für Fremdenfeindlichkeit und rechten Populismus – Zusammenhänge, auf die wir mit unserem offenen Brief an die Läden, die die Listen zum genannten Bürgerbegehren auslegen, aufmerksam gemacht haben, um es Bürgerinnen und Bürgern zu ermöglichen, vernünftige, menschliche und zugleich freie Entscheidungen treffen zu können.
Im gesamten Jahr 2014 haben wir mehrere Kleidungsspenden gesammelt und unter Asylsuchenden in Beulwitz verteilt. Unsere regelmäßigen Aufrufe für Fahrradspenden haben außerdem dazu geführt, das Geflüchtete im Landkreis deutlich mobiler wurden und an Freizeitveranstaltungen in Saalfeld und Rudolstadt teilnehmen konnten. Schließlich haben mehrere Vereinsmitglieder Einzelfallhilfe für Geflüchtete geleistet, indem sie diese bei Behördengängen und Arztbesuchen begleitet und gedolmetscht haben.
All das ist gelebte Integration und Aufklärung – ganz im Sinne unseres Vereins!

Danke:
Auch wenn wir an dieser Stelle leider nicht alle Personen im Einzelnen nennen können, so danken wir ausdrücklich allen UnterstützerInnen – egal ob diese sich finanziell oder durch aktive Mitarbeit an unseren Projekten beteiligt haben. Zu besonderem Dank verpflichtet sind wir dem LAP, der unsere Willkommensfeste in Rudolstadt und Unterwellenborn finanziell unterstützt hat, der Alternative 54 e.V., die unsere Hausaufgabenunterstützung erneut gefördert hat, sowie dem Landkreis, der Stadt und dem Stadtmuseum Saalfeld, die ebenfalls mit Geldspenden unsere Arbeit würdigten.

2013

Für den 13. Februar organisierten und finanzierten wir die Fahrt eines Busses über Saalfeld, Pößneck, Kahla und Jena nach Dresden zur Demonstration, um gemeinsam mit Flüchtlingen den jährlichen Aufmarsch von Nazis zu verhindern. Im April 2013 wurden auf der Mitgliederversammlung neue Aktivitäten für das laufende Jahr beschlossen. Künftig finden die Treffen des Vereins immer an jedem zweiten Sonntag im Quartal (Januar, April, Juli, Oktober) statt. Interessierte – auch Nicht-Vereinsmitglieder – sind herzlich eingeladen und können den Ort per Kontaktaufnahme via verein-grenzenlos@riseup.net erfahren. Am 16. und 17. April nahmen wir an den vom LAP organisierten Projekt „Tag und Nacht für Toleranz“ teil, um mit einem kritischen Beitrag den Begriff der Toleranz zu hinterfragen. Wir hängten in der Stadt Transparente mit Piktogrammen auf und verteilten Flyer an die Saalfelder Bevölkerung. Themenschwerpunkte waren dabei der Umgang mit Asylsuchenden sowie mit Menschen mit Behinderung (beides Zwecke der Vereinssatzung). Die Veranstaltung ist auf unserer Homepage dokumentiert. Seit dem Jahr 2013 ist die finanzielle Förderung der Lernförderung und Hausaufgabenunterstützung durch unseren Verein wieder angelaufen und findet wöchentlich statt. Am 1. Mai nahmen wir mit einem Infostand und einem Workshop bei der Saalfelder Friedensfahrt (Seifenkistenrennen) teil.

Freedom of Movement – Fahrradaktion
Hier starteten wir zudem einen Aufruf zum Spenden von Fahrrädern an unseren Verein, dem Flyer und Zeitungsartikel hierzu folgten. Dies war Teil unseres Projekts „Freedom of Movement – Bewegungsfreiheit für alle“. Beweggrund zu dieser Aktion ist die Einschränkung der Bewegungsfreiheit von Asylsuchenden, der wir vor Ort mit einer Stärkung der eigenen Optionen auf freie Wahl des Aufenthaltsortes begegnen wollten. Nachdem wir genügend Fahrräder gesammelt hatten, trafen wir uns am 12. Juli mit Flüchtlingen in Saalfeld, um die Fahrränder zu reparieren – hierbei unterstützen uns der City-Rad-Shop, der SB1 e.V. sowie zahlreiche HelferInnen. Die Räder werden seitdem von Flüchtlingen in Saalfeld genutzt. Eine zweite Reparaturaktion weiter Fahrräder folgt im Laufe des Jahres.

Weitere Aktionen in 2013
[folgen]
2012
Im Februar 2012 fand unsere offizielle Mitgliederversammlung in Saalfeld statt, auf der wesentliche Vorhaben und Aktionen zur Erfüllung der Vereinszwecke für das gesamte Jahr geplant wurden: Am 10. März hielten wir einen Redebeitrag zur Situation von MigrantInnen im Landkreis auf der Demonstration gegen Rechts in Saalfeld. Der Beitrag kann hier (anklicken) heruntergeladen werden. Im April wurde gemeinsam mit Flüchtlingen die Teilnahme am Seifenkistenrennen samt Bau einer eigenen Seifenkiste organisiert und bewältigt. Die damit vorbereitete Aktion, die am 1. Mai im Dürerpark bei der „Saalfelder Friedensfahrt“ stattfand, wurde mit politischer Aufklärung über Fluchtursachen und die brisante Situation von Flüchtlingen bei der Überquerung europäischer Grenzen im Mittelmeer verbunden (Redebeitrag – anklicken). Dies kam derart gut bei den BesucherInnen des Seifenkistenrennens an, dass die Flüchtlinge und wir den Publikumspreis für die schönste und innovativste Seifenkiste gewannen.

1b

Im Juni namen wir an einer Fortbildung zum Aufenthaltsrecht von Flüchtlingen teil. Durch uns organisiert und finanziert fand dann am 21.6. um 19 Uhr ein Vortrag von Steffen Dittes, einem wissenschaftlichen Referenten im Thüringer Landtag, im Klubhaus der Jugend in Saalfeld über die soziale und rechtliche Lebenssituation von Flüchtlingen und AsylbewerberInnen statt. Interessierte BürgerInnen und Flüchtlinge nahmen gemeinsam an diesem Vortrag teil und diskutierten im Anschluss konstruktiv miteinander. Seit Juli 2012 waren wir ebenso wie der Flüchtlingsrat Thüringen e.V. im Kontakt mit dem neu gewählten Landrat, Hartmut Holzhey, um das sogenannte Gutscheinsystem zu beseitigen. Seit August 2012 finanzierten wir monatlich die Lernhilfe und Hausaufgabenuntersützung für junge Flüchtlinge. Mit diesem Projekt sind wir Teil des Integrationskonzepts im Landkreis, das Ende des Jahres 2011 von der ehemaligen Landrätin Marion Philipp vorgestellt wurde. Außerdem wurde in unserem Verein beschlossen, einen Druckkostenzuschuss für eine Informationsbroschüre zum deutschen Aufenthaltsrecht zu finanzieren, die vom ehrenamtlichen Arbeitskreis Integration entwickelt wurde und in mehrere Sprachen übersetzt gedruckt wird. Diese Broschüre soll es Flüchtlingen ermöglichen, sich über Ihre Rechte in Deutschland selbst informieren zu können. Seit September wurden Flüchtlingen und AsylbewerberInnen im Landkreis die ihnen zustehenden Sozialleistungen endlich in Bargeld ausgezahlt. Das Gutscheinsystem als unnötige Verwaltungspraxis ist damit abgeschafft und ein wesentliches Ziel unseres Vereins wurde damit erreicht. Die durch uns unterstützte Gutscheinitiative läuft damit in einigen Monaten wohl endgültig aus und wir können uns auf weitere Ziele konzentrieren, die den Benachteiligungen von Flüchtlingen im Landkreis entgegenwirken. Insgesamt hatte die Initiative wir in diesem Jahr sieben Mal Gutscheine mit Flüchtlingen getauscht oder gemeinsame Einkäufe getätigt. Außerdem fanden vier Spendenaktionen statt, bei denen wir Kleidung und Spielzeug gesammelt und in die Gemeinschaftsunterkunft der Flüchtlinge nach Beulwitz gebracht haben. Vom September bis zum Oktober unterstützten wir aktiv und finanziell den Protestmarsch der Flüchtlinge von Würzburg nach Berlin hier in Thüringen und auch darüber hinaus. Im Oktober haben wir eine Informationsaktion durchgeführt, bei der wir in Beulwitz Plakate verteilt haben, die den Weg in ein kostenloses Internetcafe in der Saalstraße in Saalfeld zeigen – bisher hatten vor allem die Jugendlichen aus Beulwitz nämlich meist in teuren Internetcafes mit Freunden und mit ihren Familien zuhause gechattet. Es fanden außerdem mehrere Kleiderspenden für Flüchtlinge durch uns statt.
Im November nahmen einige unserer Vereinsmitglieder an einem Wochenendseminar in Hütten über die „Erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit für Asyl und Menschenrechte in Thüringen“ teil, wo vernetze Aktivitäten mit anderen Vereinen aus ganz Thüringen für das Jarh 2013 diskutiert und geplant wurden. Das Jahr 2013 wird ganz im Zeichen der Aufklärung über die Residenzpflicht stehen.

2011
Seit Januar hatten wir über einen Computerraum in der GU diskutiert, der jedoch bisher vom Landratsamt nicht gewollt ist. Im Februar haben wir eine Vereinsgründung beschlossen, um aktiver auftreten und ein Konto einrichten zu können. Im März wurde sich über die Formalia einer Vereinsgründung informiert und eine Satzung entworfen. Im April haben wir unsere Vereinsatzung offiziell beschlossen und unterschrieben. Im Mai haben wir das Sommerfest der Flüchtlinge in Beulwitz besucht und eine Benefizaktion im Dürerpark veranstaltet. Im Juni haben wir den Verein über den Notar zur Eintragung angemeldet und ein Benefizkonzert geplant. Außerdem ermöglichten uns zahlreiche UnterstützerInnen bereits Spendeneinnahmen und Gutscheintausche mit den Flüchtlingen, indem wir als Verein Barabende organisieren konnten, bei denen diese Spenden eingenommen wurden. Dies wurde immer wieder mit der Aufklärung über die Lebenssituation von Flüchtlingen in Thüringen durch Redebeiträge und durch Auslage von Informationsmaterial verbunden. Im Juli fand das Benefizkonzert als Break Isolation Festival in Rudolstadt mit drei Bands und DJ in den Saalgärten statt, das ca. 650 Euro Gewinn zu dem bereits bestehenden „Vermögen“ erbrachte und zu dem auch Flüchtlinge gekommen sind.

Flyer BIF 2011

Es war ein voller Erfolg. Im September wurde das Herbstfest der Flüchtlinge in Beulwitz besucht und eine Stadtführung in Saalfeld mit Flüchtlingen organisiert und durchgeführt, da viele die Stadt Saalfeld durch die isolierte Unterbringung am Stadtrand gar nicht richtig kannten. Seit November sind wir nach langen Bemühungen endlich im Vereinsregister eingetragen. Anfang Dezember hatten wir erneut ein erfolgreiches und vielfältiges Zusammenkommen mit den Menschen aus Beulwitz beim Benefizessen und der Weihnachtsfeier mit zwei Bands in Saalfeld im Kinderfreizeitzentrum. Rückblickend haben wir zudem im Jahr 2011 viermal Gutscheine jeweils im Wert von 500,00 Euro in Beulwitz getauscht. Wir haben viele neue Ideen entwickelt, wie wir Flüchtlingen im Landkreis helfen können.