Pressemitteilung

Gleichbehandlung aller Diebe – egal welcher Herkunft
Rudolstädter Bürgermeister weist Vorwürfe von sich

Ob bei Kaufland in Eisenach, Real in Erfurt oder Rewe in Berlin – an vielen Orten in Deutschland wird seit einigen Monaten das Gerücht gestreut, Flüchtlinge würden bei begangenem Diebstahl aus Gründen der politischen Korrektheit nicht angezeigt werden. Daraufhin meldeten sich dort bereits einige betroffene Filialleiter/innen zu Wort und dementierten solche Vorwürfe.
Das gleiche Gerücht hält sich nun seit einiger Zeit auch im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt, wo an Stammtischen und in sozialen Netzwerken im Internet wiederholt behauptet wird, u.a. bei EDEKA in Rudolstadt und Marktkauf in Saalfeld würden Flüchtlinge, die bei einem Diebstahl beobachtet werden, nicht anzeigt werden. Auf Nachfrage des Grenzenlos. Verein für Menschenrechte e.V. bei EDEKA in Rudolstadt und Marktkauf in Saalfeld wurde am 19. und 23.10.2015 telefonisch von Seiten der Filialleitungen erklärt, dass bei Menschen mit oder ohne Migrationshintergrund ALLE Diebstähle gleichermaßen zur Anzeige gebracht werden. Eine ungleiche Behandlung oder gar eine Anweisung dazu sei Unsinn.
In der Rede von Mandy Meinhardt (NPD) am 2. Oktober 2015 in Rudolstadt hieß es weiterhin, „dass der Rudolstädter Bürgermeister Herr Reichl das Diebesgut der Asylanten bezahlt.“ Herr Reichl bezog dazu Stellung und schrieb an unseren Verein: „Dazu ist festzustellen: 1. Es gibt keinerlei Anfragen von Einzelhändlern an die Stadt Rudolstadt oder mich persönlich, ob die Stadt Rudolstadt bereit ist, Zahlungen für Diebstahl von Waren, von wem auch immer, zu übernehmen. 2. Auf Nachfrage bei K+B Expert wurde mir bestätigt, dass es, seitdem die Gemeinschaftsunterkunft in Rudolstadt im ehemaligen Krankenhaus bezogen ist, keinen Anstieg von Diebstahl gibt. Vielmehr werden die Asylbewerber beim Einkauf beraten und die Waren werden von den Asylbewerbern bezahlt, wie von jedem anderen Kunden. 3. Die Stadt Rudolstadt oder ich als deren Vertreter haben bisher keinen im Zusammenhang mit Diebstahl im Einzelhandel entstandenen Schaden ausgeglichen und werden das in Zukunft auch nicht tun. 4. Wer Behauptungen aufgestellt hat oder verbreitet hat, dass die Stadt Rudolstadt oder ich als deren Vertreter ‚… das Diebesgut der Asylanten bezahlt‘, der lügt.“
Auch die Sprecherin der Landespolizeiinspektion Saalfeld erklärte, dass bei einem Tatbestand des Diebstahls, der bei der Polizei angezeigt wird, selbst wenn es sich um einen geringfügigen Diebstahl handelt, in jedem Fall Ermittlungen eingeleitet werden. Die Bearbeitung solcher Anzeigen führe, unabhängig von der Herkunft des Verdächtigen, zu keinem bürokratischen Mehraufwand.
Gerüchte wie diese schüren Fremdenfeindlichkeit und Fremdenhass in der Bevölkerung. Wir als Grenzenlos e.V. sehen es daher als eine wichtige Aufgabe an, zur Aufklärung über solche Vorurteile beizutragen.