Archiv für November 2014

Willkommensbrunch in Unterwellenborn

Am Samstag, den 15.11.2014, laden wir zum Willkommens- und Kennenlernbrunch an die Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in Unterwellenborn ein.

Lassen sie uns gemeinsam Willkommenskultur leben!

Wo: Schwarzer Weg 1, Unterwellenborn
Wann: ab 13 Uhr

Bringen Sie doch auch eine Kleinigkeit mit und erweitern Sie damit das kulinarische Angebot!

Wir freuen uns auf einen tollen Nachmittag!

Willkommensfest in Unterwellenborn (OTZ Artikel)

Im Folgenden dokumentieren wir einen Artikel von Sabine Bujack-Biedermann in der OTZ vom 11.11.2014

Flüchtlinge in Unterwellenborn: „Zu Hause? Da ist Krieg!“

Bündnis für Menschenrechte und Einwohner von Unterwellenborn begrüßen erste Syrer mit einem Willkommensfest

Ein Willkommen für die ersten syrischen Flüchtlinge in Unterwellenborn: Bis zum späten Nachmittag kamen Unterwellenborner vorbei, um die neuen Nachbarn zu begrüßen.
Ein Willkommen für die ersten syrischen Flüchtlinge in Unterwellenborn: Bis zum späten Nachmittag kamen Unterwellenborner vorbei, um die neuen Nachbarn zu begrüßen. Foto: Sabine Bujack-Biedermann

Unterwellenborn. Die jungen Männer, die im Sonnenschein auf dem Parkplatz gleich neben der Unterwellenborner Gemeindeverwaltung stehen, grüßen mit „Hallo“, „Guten Tag“ und einem Lächeln. Erst für den nächsten Satz der Konversation muss zu Englisch gewechselt werden – so gut ist ihr deutscher Sprachschatz noch nicht.

Die 19 Syrer kamen am Freitag in Unterwellenborn an und sind gegen den Widerstand der Gemeinde im ehemals von der Bildungszentrum Saalfeld GmbH (BZ) genutzten und seit Monaten leer stehenden Gebäude einquartiert worden. Nach einer ersten Suppe zur Begrüßung steigt am Samstagvormittag ein Willkommensfest, organisiert vom sich gerade formierenden Bündnis für Menschenrechte im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt, vor allem vom Grenzenlos e.V.

„Eine super Idee“, findet Peggy Franke. Die Röblitzerin ist mit Freundinnen „Tee, Kaffee, Obst und den Kindern“ gekommen, weil sie „schockiert ist von der negativen Berichterstattung“. Anja Ungelenke, ebenfalls aus Röblitz, fragt: „Wieso sollen wir denn die Türen verschließen? Wir haben doch genug hier in Deutschland!“

Eigener Augenschein statt fehlender Informationen
Franziska Schultheiß fügt mit Blick auf die Auseinandersetzungen um die Gemeinschaftsunterkunft in Katzhütte hinzu: „Wir haben schon schlechte Erfahrungen im Landkreis gemacht, nun können wir ein Beispiel geben, wie es anders geht.

Über gegenteilige Ansichten zur Aufnahme der Flüchtlinge berichtet Martin Spitzner, der kommissarische Heimleiter: „Am Donnerstag waren alle Schlösser von außen mit ­Epoxidharz verschmiert.“ Außerdem sei die Unsicherheit bei den Unterwellenbornern groß, weil Informationen fehlten, berichtet Ortsbürgermeister Wolfgang Kaminsky (CDU). Zum Willkommensfest ist er dabei, um sich selbst ein Bild zu machen, und mit ihm Peter Girnuweit, eine Kaffeemaschine und Filtertüten unterm Arm.

„Warum hat uns keiner gesagt, was hier alles fehlt, es gibt noch nicht mal Besteck“, wundert sich Monika Kraus. Die Rentnerin, die erzählt, wie freundlich sie die jungen Syrer in ihren Zimmern begrüßt haben, hätte gern selbst etwas beigesteuert. Jessica und Marion Müller pflichten ihr bei: „Es ist doch gut, dass das Haus nicht mehr leer steht.“

Kaffee, Kuchen und drei Bälle
Schnell sind die Tische im Freien gut gefüllt: Kuchen, Obst, Getränke, Brot, es ist alles da für ein gutes Frühstück. Einer der Syrer schaut skeptisch auf zwei Schalen mit Brei und bekommt erklärt, das sei Hummus, Kichererbsbrei, selbst zubereitet, als Erinnerung für sie an zu Hause. „Deutscher Hummus?“ Die jungen Männer finden das sehr lustig.

Doch spricht man sie auf ihre Heimat an, dann verdunkelt sich ihr Blick: „War! – Krieg!“

Peter Girnuweit macht ihnen Mut. Die Unterwellenborner seien gastfreundlich, sagt der 68-Jährige, dessen Eltern aus Ostpreußen vertrieben wurden. Er kam vor 35 Jahren in den Hüttenort und habe „heute hier die besten Freunde“. Außerdem gibt er zu bedenken, dass in der Maxhütte „viele Ausländer gearbeitet haben“. Deswegen könne er „nicht verstehen, wo unsere Bürgermeisterin ist.“ Bürgermeisterin Andrea Wende (FW) sagt auf OTZ-Anfrage, sie habe nichts gewusst von dem Begrüßungsfest.

Um die Ortskenntnisse der Neu-Unterwellenborner kümmerten sich unterdessen die Gastgeber. Ein paar junge Leute gingen mit ihnen einkaufen, brachten drei Bälle mit, und beim Fußball- und Volleyballspiel fielen die letzten Verständigungsschranken.

Bis es dunkel wurde, ging das Begrüßungsfest. Auch am Nachmittag hielt der Nachschub gegen den Hunger und Durst von den aufmerksamen Unterwellenbornern an.