Archiv für Januar 2014

Jahresrückblick auf 2013

Das Jahr 2013 war eines mit vielen Veränderungen. Zu Begin des Jahres beteiligten wir uns an der Aktion „Tag und Nacht für Toleranz“ in Saalfeld, die am 16. und 17. April stattfand. Wir hatten diesbezüglich bereits im Februar beschlossen, dass wir uns nicht am gemeinsamen Einschwören mit anderen beteiligten Vereinen, der Stadtverwaltung und den Kirchen auf einen unklaren Toleranzbegriff beteiligen würden, sondern diesen vielmehr kritisch hinterfragen. Aus diesem Grund erstellten wir Transparente und einen Info-Flyer, die „Toleranz“ unter folgenden Fragen thematisierten: Was bedeutet es für eine Stadt wie Saalfeld und die in ihr lebende Gesellschaft, wenn Menschen, die vor Krieg, Verfolgung, Unterdrückung und Hunger aus anderen Nationen fliehen, einfach an den Stadtrand in einer so genannten „Gemeinschaftsunterkunft“ kaserniert werden und dort unter Bevormundung leben müssen? Hört die Toleranz etwa bei der willkürlich festgelegten Nationengrenze oder durch eine andere Sprache auf oder wird weniger? Und: wie weit soll Toleranz eigentlich gehen? Sind Nazis etwa zu tolerieren? Sollen sie gesellschaftliche Freiräume einfach
besetzen dürfen? Oder: warum werden Menschen, die sich Nazis mit zivilem Ungehorsam
entgegenstellen, kriminalisiert und von der Justiz verfolgt? Diese und weitere Fragen standen im Zentrum unserer Aktion. Unsere Transparente hängten wir in der gesamten Innenstadt auf, die Flyer wurden an beiden Tagen von uns verteilt.

Am 1. Mai waren wir mit einem Info-Stand und einen Schmuck-Workshop beim Seifenkistenrennen vor Ort.

Darüber hinaus hatten wir seit April mehrere Spendenaufrufe unter dem Titel „Freedom of Movement – Bewegungsfreiheit für alle“ über lokale Medien und in Form von Flyern verbreitet. Ziel war es, alte und neue Fahrräder zu sammeln, um sie gemeinsam mit Geflüchteten zu reparieren und diesen dann zur Verfügung zu stellen. Am 12.7. fand schließlich die Fahrradbauaktion in Saalfeld statt. Wir haben von 13 gespendeten Fahrrädern insgesamt 9 Stück, darunter 2 Kinderräder, sowie ein Laufrad und zwei Roller fahrtüchtig gemacht. Dadurch wurde es Geflüchteten möglich, sich trotz der Unterbringung in Beulwitz freier zu bewegen. Ein großes Danke den Geflüchteten, den Menschen, die Fahrräder, Ersatzteile und Werkzeug gespendet haben, dem City Rad Shop, allen Menschen, die mit Einsatz und Know-How die Räder reparieren konnten und dem SB1 e.V.

Am 1. Juli kippte endlich die „Residenzpflicht“ in Thüringen, so dass sich Geflüchtete nun auch über die angrenzenden Landkreise hinaus bewegen können. Dies war neben der Abschaffung der Gutscheine im September 2012 ein weiterer Meilenstein zur Verbesserung der Lebensumstände Asylsuchender im Landkreis.

2013 fanden durch uns vermittelt oder organisiert erneut mehrere Kleidungs- und Spielzeugspenden für Menschen in der Gemeinschaftsunterkunft in Beulwitz statt. Darüber hinaus finanzierten wir monatlich die Lernförderung und Hausaufgabenunterstützung für junge Flüchtlinge. Im Dezember sammelten wir hierfür auf drei Veranstaltungen in Rudolstadt und Saalfeld Spendengelder. Wir danken daher allen, die gespendet haben, der KüFa-Crew Vegan Kochen, dem SB1 e.V. aus Saalfeld und dem Soziokulturellen Jugendzentrum „Saalgärten“ in Rudolstadt für die Unterstützung.

All die Aktionen und kleinen Erfolge dürfen jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch 2013 viele Menschen, die in Beulwitz untergekommen waren, ausgewiesen und abgeschoben wurden.

In Katzhütte ist für 2014 aufgrund der aus Syrien flüchtenden Menschen eine neue Unterkunft mit 50 Plätzen geplant. Im Internet wird gegen diese Aufnahme von Asylsuchenden bereits von mehreren rassistischen Initiativen im Landkreis gehetzt. Hier wird daher voraussichtlich einer unserer Schwerpunkte für das neue Jahr liegen: es muss über Fluchtursachen aufgeklärt werden, um Zuständen, wie sie sich 2013 etwa in Berlin-Hellersdorf, Greiz und Schneeberg zeigten, frühzeitig eine sachliche Aufklärung entgegenzusetzen.